Ein „alter Hund“, der noch will und kann
Teleskop-Veteran SM 35 läuft seit rund zwei Jahrzehnten bei Leipzig
Die Geschichte der Merlo Teleskop-Maschinen begann auf der Baustelle. Dort bewährten sich die ersten Modelle. Aber auch Anwender anderer Branchen ließen die Vielzweck-Maschinen aufblicken. Die Gutshof Klinge Agrar GbR in Jesewitz (bei Leipzig) lebt seit rund zwei Jahrzehnten gut mit einem Allround-Merlo der Starterzeit. Sie besitzt einen SM 35 aus der Mitte der Achtziger.
Das Unternehmen bewirtschaftet 570 Hektar landwirtschaftliche Fläche, leistet Transportdienste, betreibt Baustellen im Erd- und Tiefbau sowie eine Kiesgrube. Der „Alte“ ackert unverdrossen bei vielen Lade- und Transport-Arbeiten. „So wie ich“, sagt schmunzelnd der Seniorchef Joachim Klinge, der vor einigen Jahren die Betriebsleitung an seinen Sohn übergab. „Der Merlo macht auf unserem Gelände überall mit. Jeder hier fährt ihn. Täglich ist er im Einsatz.“ Immerhin kommt er auf wackere fünf Arbeitsstunden pro Tag.
Um 1990 gelangt der SM 35 in die Firma. Ein insolventer Kunde beglich mit ihm eine Rechnung. Zu dem Merlo Veteranen gab es gleich eine stattliche Ausrüstung an Anbaugeräten: einen Bagger, Gabeln, eine Getreide- sowie Sandschaufel, eine Betonkiste und einen Kranhaken. Das Erstlingspaket vervollständigten die neuen Eigentümer mit einer Mistgabel. Ihr Universal-Teleskop war komplett. Leider begleitete ihn gleich ein zwanzig Zentimeter langer Riss im Motor. Das hätte das Aus sein können, doch die Jesewitzer sind bekennende Oldtimer-Freaks. Es gibt nichts, was nicht geht, lautet ihr Wahlspruch. Also suchten sie Hilfe. Zwei Kontakte spürten sie auf, die den Motor reparieren konnten. Einer saß im Münsterland. Abends ging die Reise los. Noch in der Nacht wurde der Motor vom Dienstleister geschweißt. Der Werkstatt-Mann sagte damals, der ginge nie wieder kaputt. Und er behielt Recht.
„Er hat etwas sehr Menschliches, der ´alte Hund´“, meint Klinge. „Er will und kann noch. Doch mit den Jahren wird auch er müde. Bei ihm nagt die Zeit an der Hydraulik.“ Ersatzteile waren allerdings nie ein großes Thema. Sein Händler - die Gruber Agrartechnik GmbH (Engelsdorf) - konnte stets liefern, was gebraucht wurde. „Zipperlein gehören zum Altern“, findet der Anwender. Die seines Teleskop-Klassikers sorgen auf der Liste von Vor- und Nachteilen nicht für lange Gesichter. Er ist nach wie vor eine wirtschaftliche Maschine - mit einem sehr eigenen Lebenslauf und Aussehen.
Die Leistungsdaten
| Hubhöhe: | 8.200 mm |
| Tragfähigkeit: | 3.500 kg |
| Motor: | 4-Zylinder, 78 PS |
| Seitenverschub des Oberwagens: | +/- 650 mm |
September 2011






